Eine kleine Pisa- Geschichte

Vor einiger Zeit verabredete die bundesdeutsche Schülergemeinschaft ein jährliches Wettrudern gegen die finnische Schulgemeinschaft, welches auf dem Rhein ausgetragen werden sollte.
Als der große Tag kam, waren beide Mannschaften topfit, doch die Finnen gewannen das Wettrudern mit einem Vorsprung von einem Kilometer. Nach dieser Niederlage war das bundesdeutsche Team sehr betroffen und die Moral sank auf den absoluten Tiefpunkt. Die Schulverantwortlichen entschieden, dass der Grund für die diese blamable Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsse. Ein länderübergreifendes Projektteam wurde eingesetzt, um das Problem zu untersuchen und um geeignete Abhilfemaßnahmen zu empfehlen.
Nach langwierigen Analysen fand man heraus, dass bei den Finnen acht Mann ruderten und ein Mann steuerte, während im deutschen Team ein Mann ruderte und acht Mann steuerten. Die Schulverantwortlichen engagierten nun internationale Experten die eine Studie über die Struktur das bundesdeutschen Teams anfertigen sollten.
Nach einigen Monate und beträchtlichen Kosten kamen die Experten zu dem Schluss, dass im bundesdeutschen Team zu viele Leute steuerten und zu wenige ruderten. Um einer weiteren Niederlage gegen die Finnen vorzubeugen, wurde die Teamstruktur geändert. Es gab nun vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute, einen Steuerdirektor und einen bundesministerialen Steuerdirigenten und einen Ruderer. Um dem Ruderer mehr Leistungsanreize zu geben, wurde ein völlig neues Leistungsbewertungssystem eingeführt und es wurde herumerzählt, dass man in höheren Kreisen in Erwägung zöge, den Aufgabenbereich des Ruderers zu erweitern und ihm mehr Verantwortung zu übertragen .
Im nächsten Jahr gewannen die Finnen mit einem Vorsprung von zwei Kilometern.
Folgen:
Die Schulverantwortlichen versetzten den Ruderer wegen schlechter Leistung, verkauften die Ruder und stoppten alle Investitionen für ein neues Boot. Den Schulverantwortlichen wurde dafür durch die Landesregierungen Lob ausgesprochen und das eingesparte Geld den Experten als Leistungsprämie ausbezahlt. Es wird daran gearbeitet, die Studiengänge für die Steuerleute inhaltlich völlig neu zu gestalten, die Qualifikationsebene des zukünftigen Ruderers nach unten zu korrigieren und gleichzeitig eine Arbeitszeiterhöhung um 100% gegen den schwachen Widerstand der Rudervertretung durchzusetzen.